Kirchenjahr evangelisch: Feste, Sonntage und liturgischer Kalender
Aufbau des evangelischen Kirchenjahres
Das evangelische Kirchenjahr ordnet die Sonntage und Festzeiten rund um die zentralen Stationen des christlichen Glaubens. Sein Verlauf führt von der Erwartung im Advent über Weihnachten und Passion bis zu Ostern und Pfingsten. Danach prägt die Trinitatiszeit den längsten Abschnitt des Jahres. Der liturgische Kalender verbindet diese Zeiten mit Lesungen, Gebeten und wechselnden Farben.
Beginn mit dem Advent
Der erste Adventssonntag eröffnet das evangelische Kirchenjahr und markiert den Auftakt der Vorbereitung auf Weihnachten. Seine Stellung im Kalender richtet sich nach dem Sonntag, der dem 30. November am nächsten liegt.
- Der erste Advent fällt auf einen Sonntag zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember; sein Datum wechselt daher von Jahr zu Jahr.
- Auf den ersten Advent folgen drei weitere Adventssonntage, sodass die Adventszeit vier Sonntage vor Weihnachten umfasst.
- Die Sonntage dieser Zeit tragen eigene Lesungen und Gebetstexte, die auf Erwartung, Umkehr und die Ankunft Christi ausgerichtet sind.
- Über das gesamte Kirchenjahr verteilt gibt es rund 52 Sonntage; ihre Zahl und ihre Lage folgen dem jährlichen Kalenderverlauf.
- Die Perikopenordnung weist den einzelnen Sonntagen und Festtagen biblische Abschnitte für Lesung und Verkündigung zu.
- Gezählt wird nach den jeweiligen Zeiten, etwa als Adventssonntage oder Sonntage nach Epiphanias und Trinitatis, nicht als fortlaufende Nummerierung des ganzen Jahres.
Die Perikopenordnung schafft dabei einen wiederkehrenden Rahmen: Bestimmte Bibeltexte begegnen an festgelegten Sonntagen und Festtagen, während bewegliche Termine den Jahreslauf mitbestimmen.
Die Hauptzeiten und ihre Bedeutung
Die liturgischen Zeiten folgen einer theologischen Abfolge: Erwartung, Menschwerdung, Passion, Auferstehung, Wirken des Heiligen Geistes und anschließende Glaubenszeit. Ihre Übergänge richten sich teils nach festen Festtagen, teils nach dem beweglichen Osterdatum.
| Kirchenjahreszeit | Beginn | Liturgische Farbe | Bedeutung und Übergang |
|---|---|---|---|
| Advent | Erster Adventssonntag | Violett oder Blau | Zeit der Erwartung und Vorbereitung auf Weihnachten; sie umfasst vier Adventssonntage. |
| Weihnachtszeit | Weihnachten, ab 25. Dezember | Weiß oder Gold | Feiert die Menschwerdung Christi; die Zeit geht mit dem Fest der Erscheinung Christi in Epiphanias über. |
| Epiphanias | 6. Januar | Weiß, später auch Grün | Rückt die Offenbarung Christi in den Mittelpunkt; die Farbe kann an den Sonntagen je nach liturgischem Anlass wechseln. |
| Passions- und Fastenzeit | Aschermittwoch, 46 Tage vor Ostersonntag | Violett | Lenkt den Blick auf Besinnung, Umkehr und den Leidensweg Christi; sie führt zur Karwoche. |
| Karwoche | Palmsonntag, die Woche vor Ostern | Rot oder Violett | Gedenkt des Einzugs in Jerusalem, des letzten Abendmahls und der Passion; sie reicht bis zum Karsamstag. |
| Ostern und Osterzeit | Ostersonntag | Weiß oder Gold | Feiert die Auferstehung Christi; die Osterzeit dauert bis Pfingsten und umfasst damit 50 Tage. |
| Pfingsten | Pfingstsonntag, 50 Tage nach Ostern | Rot | Erinnert an die Sendung des Heiligen Geistes und bildet den Übergang zur Trinitatiszeit. |
| Trinitatiszeit | Sonntag nach Pfingsten | Grün | Die Zeit des gewöhnlichen Kirchenjahres entfaltet Themen des christlichen Glaubens und reicht bis zum Sonntag vor dem nächsten Advent; sie ist die längste Jahreszeit. |
Die liturgischen Farben markieren die jeweilige Prägung der Gottesdienste, während die Abfolge die zentralen Glaubensinhalte über das Jahr verteilt. Da Ostern beweglich ist, verschieben sich Passionszeit, Osterzeit und Pfingsten jährlich; der nächste Jahreskreis setzt wieder am ersten Advent ein.
Evangelische Feiertage und ihre Bedeutung
Der Liturgische Kalender verbindet festgelegte Feiertage mit beweglichen Tagen, deren Datum sich nach Ostern richtet. Im Kirchenjahr evangelisch stehen Karfreitag und Ostersonntag im Zentrum: Sie erinnern an Jesu Tod und feiern seine Auferstehung. Einige kirchliche Festtage sind bundesweit gesetzliche Feiertage, andere gelten nur in einzelnen Ländern. Auch staatliche Feiertage wie der Tag der Deutschen Einheit gehören zum Kalenderjahr, haben aber keine religiöse Bedeutung.
Gesetzliche Feiertage mit kirchlichem Ursprung
Die Tabelle unterscheidet bundesweit geltende Feiertage von kirchlich wichtigen Tagen mit abweichendem rechtlichem Status.
| Feiertag | Regel zur Bestimmung des Datums | Geltungsbereich | Theologische Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Karfreitag | Freitag vor Ostersonntag | Bundesweiter gesetzlicher Feiertag | Gedenken an Leiden und Tod Jesu Christi; einer der theologisch zentralen evangelischen Festtage. |
| Ostersonntag | Erster Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem 21. März; Berechnung nach gregorianischer Regel | Kirchlich überall gefeiert; gesetzlicher Feiertagsstatus landesrechtlich unterschiedlich | Feier der Auferstehung Christi und zentraler Höhepunkt des evangelischen Festjahres. |
| Ostermontag | Montag nach Ostersonntag | Bundesweiter gesetzlicher Feiertag | Setzt die Osterfeier fort und gehört zur österlichen Festzeit. |
| Christi Himmelfahrt | 39 Tage nach Ostersonntag, stets an einem Donnerstag | Bundesweiter gesetzlicher Feiertag | Gedenkt der Aufnahme Christi in den Himmel. |
| Pfingstmontag | Montag nach Pfingstsonntag; Pfingsten liegt 50 Tage nach Ostersonntag | Bundesweiter gesetzlicher Feiertag | Schließt das Pfingstfest als Tag nach dem Gedenken an die Gabe des Heiligen Geistes ab. |
| Erster Weihnachtstag | 25. Dezember, festes Datum | Bundesweiter gesetzlicher Feiertag | Feier der Geburt Jesu Christi. |
| Zweiter Weihnachtstag | 26. Dezember, festes Datum | Bundesweiter gesetzlicher Feiertag | Fortsetzung des Weihnachtsfestes; in der evangelischen Tradition wird zugleich des Stephanus gedacht. |
| Tag der Deutschen Einheit | 3. Oktober, festes Datum | Bundesweiter gesetzlicher Feiertag | Staatlicher Gedenk- und Feiertag zur deutschen Einheit, nicht religiös begründet. |
Karfreitag und Ostersonntag bilden inhaltlich das Zentrum der Osterbotschaft: Auf die Erinnerung an Kreuzigung und Tod folgt das Bekenntnis zur Auferstehung.
Regionale Unterschiede in Deutschland
Ob ein kirchlicher Tag arbeitsfrei ist, richtet sich in Deutschland teilweise nach dem Bundesland; die regionalen Zuständigkeiten erklären unterschiedliche Feiertagsregelungen.
- Fronleichnam: Der katholische Feiertag ist in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland gesetzlich anerkannt; evangelische Gemeinden begehen kein entsprechendes Fest.
- Katholische Feierpraxis: Fronleichnam steht in der katholischen Tradition mit der Eucharistie in Verbindung; vielerorts gehören Gottesdienste und Prozessionen zu den öffentlichen Ritualen.
- Reformationstag: Am 31. Oktober erinnern evangelische Gemeinden an die Reformation; seit 2017 ist der Tag in neun Bundesländern gesetzlicher Feiertag.
- Gesetzlicher Geltungsbereich: Dazu zählen Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Schleswig-Holstein; außerhalb dieser Länder gilt der Tag nicht landesweit als Feiertag.
- Regionale Zuständigkeit: Die Länder regeln gesetzliche Feiertage jeweils für ihr Gebiet; dadurch kann ein Kirchengedenktag am selben Datum regional arbeitsfrei sein oder nicht.
Der Reformationstag ist ein bedeutender evangelischer Gedenktag, während Fronleichnam zur katholischen Liturgie gehört.
Häufige Fragen zum Kirchenjahr
Die Antworten erläutern wichtige Daten und Zeichen im evangelischen Kirchenjahr.
Wann beginnt das evangelische Kirchenjahr?
Das evangelische Kirchenjahr beginnt mit dem ersten Adventssonntag. Dieser Sonntag liegt nahe dem 30. November und kann je nach Kalender auf ein Datum zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember fallen. Auf ihn folgen vier Adventssonntage, bevor Weihnachten gefeiert wird. Die Adventszeit eröffnet damit den liturgischen Jahreslauf und richtet den Blick auf die Vorbereitung auf Weihnachten.
Was ist der Unterschied zwischen Kirchenjahr und Kalenderjahr?
Das Kirchenjahr beginnt am ersten Adventssonntag, das Kalenderjahr dagegen stets am 1. Januar. Weil der Advent zwischen Ende November und Anfang Dezember beginnt, liegen die beiden Jahresordnungen um mehrere Wochen versetzt. Kirchliche Sonntage und Festzeiten werden im liturgischen Kalender nach dem Kirchenjahr eingeordnet, nicht nach dem Jahreswechsel im Januar. Ein Kirchenjahr umfasst deshalb Teile von zwei Kalenderjahren.
Welche Farben hat die evangelische Kirche im Kirchenjahr?
Violett kennzeichnet im evangelischen Kirchenjahr den Advent und die Passionszeit und steht für Besinnung und Vorbereitung. Weiß oder Gold wird an Weihnachten, Ostern und Epiphanias verwendet und verweist auf Festfreude und Christus. Rot gehört zu Pfingsten, dem Reformationssonntag und Ordinationen; die Farbe erinnert an den Heiligen Geist und an das Zeugnis des Glaubens. Grün prägt die Trinitatiszeit und markiert die längere Zeit zwischen den großen Festen.
Wann ist Pfingsten?
Pfingsten wird am 50. Tag ab Ostersonntag gefeiert, wobei Ostersonntag als erster Tag der Zählung gilt. Der Name geht auf das griechische Wort „pentekoste“ zurück, das „fünfzigster“ bedeutet. Der Pfingstsonntag fällt dadurch sieben Wochen nach Ostern. Der folgende Pfingstmontag ist in ganz Deutschland ein gesetzlicher Feiertag.
Vollständige Kalenderübersicht des evangelischen Kirchenjahres
Der evangelische Kirchenkalender ordnet die Sonntage und Festtage vom ersten Advent bis zum Ende der Trinitatiszeit. Feste Daten wie der 25. Dezember stehen neben beweglichen Tagen, deren Datum sich nach Ostern richtet. Die liturgische Farbe und die Bedeutung der jeweiligen Zeit geben Orientierung für Gottesdienste und kirchliche Feiern. Regionale Feiertage sind gesondert aufgeführt, weil sie nicht überall gelten und teilweise nicht zum evangelischen Festkreis gehören.
Kalenderübersicht
Die Übersicht führt die Kirchlichen Jahreszeiten in ihrer üblichen Reihenfolge auf. Bei beweglichen Festen nennt die Datumsregel den Bezug zu Ostern oder zu einem festen Kalendertag.
| Kirchenjahreszeit | Beginn/Datumsregel | Liturgische Farbe | Theologische Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Advent | Beginn am ersten Adventssonntag, dem vierten Sonntag vor dem 25. Dezember; vier Adventssonntage | Violett, örtlich Blau | Erwartung und Vorbereitung auf die Geburt Christi sowie auf seine verheißene Wiederkunft prägen die Zeit. |
| Weihnachtszeit | Beginn am 25. Dezember; sie reicht im verbreiteten Kirchenkalender bis zum 5. Januar | Weiß oder Gold | Die Geburt Jesu und die Menschwerdung Gottes stehen im Zentrum der weihnachtlichen Gottesdienste. |
| Neujahr und Sonntag nach Weihnachten | Neujahr ist der 1. Januar; der Sonntag nach Weihnachten richtet sich nach dem Wochentag des 25. Dezember | Weiß | Der Jahresbeginn wird im Gottesdienst mit dem Namen Jesu und dem Beginn eines neuen Kalenderjahres verbunden. |
| Epiphanias | Fest am 6. Januar; darauf folgen die Sonntage nach Epiphanias bis zum Beginn der Vorpassionszeit | Weiß am Fest, danach meist Grün | Epiphanias erinnert an die Offenbarung Christi für die Welt; in der christlichen Tradition ist das Fest mit den Weisen aus dem Morgenland verbunden. |
| Vorpassionszeit | Septuagesimä liegt neun Wochen vor Ostern, Sexagesimä acht Wochen und Estomihi sieben Wochen vor Ostern | Grün oder Violett, je nach örtlicher Ordnung | Die Sonntage bilden eine Übergangszeit zwischen Epiphanias und der Passionszeit und richten den Blick zunehmend auf Jesu Leiden. |
| Passions- und Fastenzeit | Beginn am Aschermittwoch, 46 Tage vor Ostersonntag; die Sonntage werden bei der Zählung der 40 Fastentage nicht mitgerechnet | Violett | Besinnung auf Leiden und Sterben Jesu, Umkehr und Gebet bestimmen die Gottesdienste. |
| Passionssonntage | Invokavit ist der erste Sonntag der Passionszeit; die Reihe führt über Reminiszere, Okuli und Lätare bis Judika | Violett | Die biblischen Lesungen entfalten den Weg Jesu zum Kreuz und geben der Passionszeit ihre liturgische Ordnung. |
| Palmsonntag und Karwoche | Palmsonntag ist der Sonntag vor Ostern; die Karwoche endet am Karsamstag | Violett, örtlich Rot | Palmsonntag erinnert an Jesu Einzug in Jerusalem; die folgenden Tage führen zu den Ereignissen der letzten Woche seines Lebens. |
| Gründonnerstag | Donnerstag vor Ostern, drei Tage vor Ostersonntag | Weiß oder Violett | Im Mittelpunkt stehen das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern und die Einsetzung des Abendmahls. |
| Karfreitag und Karsamstag | Karfreitag ist der Freitag vor Ostern; Karsamstag folgt am Tag vor Ostersonntag | Violett, Rot oder örtlich Schwarz; am Karsamstag häufig keine liturgische Farbe | Karfreitag erinnert an Jesu Kreuzigung und Tod. Karsamstag ist der stille Tag zwischen Kreuzigung und Auferstehungsfeier. |
| Ostern und Osterzeit | Ostersonntag ist der erste Sonntag nach dem ersten kirchlich berechneten Vollmond am oder nach dem 21. März; das Datum fällt zwischen den 22. März und den 25. April. Die Osterzeit dauert bis Pfingsten. | Weiß oder Gold | Die Auferstehung Jesu ist der zentrale Inhalt des Osterfestes und prägt die folgenden Sonntage der Osterzeit. |
| Himmelfahrt | Donnerstag am 40. Tag der Osterzeit, zehn Tage vor Pfingstsonntag | Weiß | Christi Himmelfahrt bekennt die Erhöhung Christi und seinen Übergang aus der sichtbaren irdischen Gegenwart. |
| Pfingsten | Pfingstsonntag wird am 50. Tag der Osterzeit gefeiert; der Pfingstmontag folgt am nächsten Tag | Rot | Das Fest erinnert an die Gabe des Heiligen Geistes und den Beginn der öffentlichen Verkündigung der christlichen Gemeinde. |
| Trinitatis | Sonntag nach Pfingsten | Weiß | Der Sonntag nimmt das Bekenntnis zum dreieinigen Gott auf und eröffnet die längste Zeit des Kirchenjahres. |
| Trinitatiszeit | Beginn am Sonntag nach Pfingsten; sie reicht bis zum letzten Sonntag vor dem ersten Advent | Grün | Die Sonntage behandeln unterschiedliche Themen des christlichen Glaubens und Lebens und bilden den umfangreichsten Abschnitt des Jahres. |
| Reformationstag – regionaler Feiertag | Fester Termin: 31. Oktober | Rot | Der Tag erinnert an die Reformation und die Erneuerung der Kirche. Gesetzlicher Feiertag ist er in Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Schleswig-Holstein. |
| Fronleichnam – regionaler katholischer Feiertag | Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag, 60 Tage nach Ostersonntag | Keine eigene evangelische liturgische Farbe | Fronleichnam gehört nicht zu den evangelischen Festen. Gesetzlicher Feiertag ist es in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. |
| Letzter Sonntag vor dem Advent | Der Sonntag unmittelbar vor dem ersten Advent; in evangelischen Gemeinden meist als Ewigkeitssonntag begangen | Grün oder Weiß | Der Ewigkeitssonntag richtet den Blick auf die Hoffnung auf Auferstehung und ewiges Leben; vielerorts werden Verstorbene des vergangenen Kirchenjahres erinnert. |
Die genaue Zahl der Sonntage nach Epiphanias und in der Trinitatiszeit verändert sich, weil Ostern beweglich ist. Reformationstag und Fronleichnam fallen zwar in den Zeitraum des Kirchenjahres, haben aber unterschiedliche regionale und konfessionelle Geltung.
